Nabu Burgdorf-Lehrte-Uetze Pressespiegel 2018

 

15. Januar 2018 - Hannoversche Allgemeine Zeitung

Gemeinde will Insektenschutz verbessern

Förderung der biologischen Vielfalt als kommunaler Schwerpunkt vorgesehen / Verwaltung soll Einwohner und Betriebe beraten

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Zurzeit steht fast die ganze Kieskuhle bei Wackerwinkel unter Wasser. Im Frühjahr sind die Tümpel in diesem Bereich wertvolle Laichgewässer für Amphibien.
Foto: Schiller

 

Von Friedrich-Wilhelm Schiller

Uetze. Der dramatische Insektenschwund in Deutschland hat die Kommunalpolitiker alarmiert. Nach dem Willen der Ratsmitglieder soll sich die Gemeinde Uetze nun einer neuen Schwerpunktaufgabe im Umweltbereich widmen: Das Hauptaugenmerk soll nicht mehr auf dem Klimaschutz, sondern auf der Biodiversität, also dem Erhalt der biologischen Vielfalt, liegen.

CDU-Fraktionschef Dirk Rentz weist darauf hin, dass nach einer Langzeitstudie die Insektenpopulation in Deutschland seit 1989 um 76 Prozent zurückgegangen ist. „Wir haben kaum noch Wildbienen“, klagt Rentz. Er unterstreicht die Bedeutung von Insekten bei der Bestäubung: „Nicht nur Honigbienen bestäuben Blüten.“ Zudem ernährten sich Vögel von Insekten. Weil es aber immer weniger gebe, gehe auch der Vogelbestand stark zurück.

Der Rat ist einstimmig Rentz’ Antrag gefolgt, dass die Verwaltung Landwirte, Betriebe und Einwohner beraten und unterstützen soll, wie sich die Lebensbedingungen für Insekten und Vögel verbessern lassen. „Es ist eine kommunale Aufgabe, die Bürger mitzunehmen und zu informieren“, meint Rentz. So könne der Umweltsachbearbeiter der Gemeinde etwa Hausbesitzern Tipps für deren Garten geben. Gartenbesitzer könnten zum Beispiel an einer Stelle Totholz liegen lassen, Sträucher pflanzen oder einen Busch verwildern lassen. Ziel müsse sein, viele kleine ökologische Nischen zu schaffen, damit sich Insekten wieder verbreiten können.

„Wir fangen nicht bei null an“, stellt Rentz klar. So habe die Gemeinde schon in den Neunzigerjahren Hecken gepflanzt. Der SPDRatsherr und Regionsabgeordnete Jürgen Buchholz macht darauf aufmerksam, dass der Naturschutzbeauftragte Erhard Zander in den vergangenen Jahren den Anstoß zu mehreren Projekten gegeben hatte, die die Region Hannover mit Geld aus dem Topf Biodiversität gefördert hat. Buchholz hat nun bei der Region nachgefragt, ob nicht ein Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde in Uetze einen Vortrag über die Biodiversitätsstrategie der Regionsverwaltung halten könne.

Laut Zander hat der Naturschutzbund (Nabu) zum Beispiel mit Geld aus dem Fonds der Region eine Grundräumung der Tümpel in der Kieskuhle in Wackerwinkel vornehmen lassen, damit sie wieder wertvoller als Laichgewässer für Amphibienlaich werden. Der Nabu habe auch drei Teiche westlich der Spreewaldallee angelegt, damit die Kröten nicht zum Laichen über die Allee wandern müssen. Die Gemeinde habe zudem Obstbäume am Verbindungsweg von Hänigsen und Obershagen gepflanzt. „Eine ganz große Aktion hatten wir im Naturschutzgebiet Düvelskamp“, berichtet Zander. Da habe die Region selbst auf seinen Vorschlag hin aus dem Hochmoor Sträucher entfernt und am Rand Birken und Kiefern gefällt, damit die Stäucher und die Bäume dem Moor nicht länger Wasser entziehen.

 

15. Januar 2018 - Hannoversche Allgemeine Zeitung

Nabu liefert Reisig für Besenbinder

Arbeitseinsatz an Amphibienteichen

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Besenbinder Leo Beigel freut sich über die Birkenzweige vom Nabu- Gelände.
Foto: Schiller

 

Burgdorf. Das fügt sich: Dem Naturschutzbund (Nabu) gefallen die Birken am Ufer seiner beiden Tümpel zwischen Burgdorf und Immensen überhaupt nicht, und Hobbybesenbinder Leo Beigel ist stets auf der Suche nach Birkenzweigen für seine Reisigbesen. So hat Beigel beim Nabu-Einsatzleiter Ernst Schmidt nachgefragt, ob er die Zweige haben könne, die beim Arbeitseinsatz auf dem Teichgrundstück anfallen – und Schmidt stimmte sofort zu.

„Das ist ideales Material zum Besenbinden“, sagte Beigel am Sonnabend zu den gut 20 Helfern, bevor diese die Birken, Erlen, Kiefern, Weiden und Eichen am Ufer mit Motorsägen und Astscheren abholzten. Die Helfer schichteten das Baumholz am Tor des Grundstücks zu großen Haufen auf, damit Beigel es sich nach und nach je nach Bedarf abholen kann.

Die beiden Tümpel waren beim Bau der Ortsumgehung als Ausgleichsmaßnahme angelegt worden. Der Nabu hat die Pflege übernommen, weil sie Laichgewässer für Amphibien sind. Er hat sich vertraglich verpflichtet, das Grundstück von Gehölzen frei zu halten, damit die Wasserflächen nicht beschattet werden und als Laichbewässer erhalten bleiben. Nach den Worten von Nabu-Jugendwart Hans-Jürgen Sessner, dessen Gruppe in erster Linie für die Pflege des Grundstücks verantwortlich ist, legen in den Tümpeln die seltenen Laubfrösche und Kreuzkröten ihren Laich ab. Natürlich treffe man auch Grasund Wasserfrösche sowie Erdkröten an.

„Jede Menge Libellen kommen hier vor“, ergänzte der Naturschutzbeauftragte Dieter Kleinschmidt. Sie seien Froschfutter. Ebenso seien Köcherfliegen an den beiden Tümpeln heimisch. fs

 

03. Januar 2018 - Marktspiegel Burgdorf

Von Sommer- und Wintervögeln

NABU veranstaltet Neujahrsspaziergang zum Thema Mauersegler und eine große Zählaktion für Gartenvögel

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Beim ersten Stopp erklärte Ernst Schmidt der Gruppe wie Mauersegler „ticken“ und die Burgdorfer „Nordstraße“ zu einem „El Dorado“ für die flinken Flieger.
Foto: Georg Bosse

 

BURGDORF (gb). Zum mitternächtlichen Jahreswechsel hatten viele Burgdorfer Feuerwerksböller und -raketen sowie ungezählte Sektkorken knallen lassen, um 2018 frohgelaunt willkommen zu heißen. Wenige Stunden danach fanden sich 50 Bürger auf dem Schützenplatz zusammen, um mit Ernst Schmidt vom NABU Burgdorf, Lehrte und Uetze an frischer Januarluft spazieren zu gehen. Der beliebte NABU-Neujahrsspaziergang „Von elf bis halb eins“ hat schon eine lange Tradition und trat seine Runde am vergangenen Montag unter der Themenüberschrift „Mauersegler“ an. Die Mauersegler (Apus apus) sind der Inbegriff des Sommers. Nur von etwa April/Mai bis Juli/August verweilt das Gros der Mauersegler in ihrer (Burgdorfer) Brutheimat. Nach vollendeter Brut ziehen die Mauersegler dann zurück nach Afrika.

Doch nicht nicht alle Vögel entfliehen dem kalten Burgdorfer Winter. Wenn die Mauersegler längst wieder in wärmeren Gefilden sind, schlägt die „Stunde der Wintervögel“. Unter diesem Motto ruft der NABU zusammen mit der Naturschutzjugend (NAJU) wieder zu einer großen Zählaktion auf. Vom 5. bis 7. Januar sind alle Interessierten dazu eingeladen, eine Stunde lang die Vögel in Park oder Garten zu zählen.

 

Wintervögel in Garten und Park

Naturschutzbund sucht Vogelzähler für bundesweite Aktion vom 5. bis 7. Januar

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Schau eine kleine Haubenmeise. Der NaBu ruft zur Zählung der Wintervögel auf.
Foto: NABU

 

BURGDORF/REGION (r/fh). Wer sich für die Burgdorfer Vogelwelt interessiert, sollte sich zwischen dem 5. und 7. Januar eine Stunde Zeit nehmen und sich ein ruhiges Beobachtungsplätzchen suchen. Der Naturschutzbund (NABU) und die Naturschutzjugend (NAJU) rufen zum achten Mal zur der bundesweiten Zählaktion „Stunde der Wintervögel“ auf.

Die Aktion funktioniert ganz einfach: Naturfreunde können eine Stunde lang die Vögel am Futterhäuschen, im Garten, auf dem Balkon oder im Park zählen und anschließend dem NABU melden. Von einem ruhigen Platz aus notieren sie für jede Vogelart die höchste Anzahl, die im Laufe einer Stunde gleichzeitig zu sehen ist. Die Beobachtungen können dann im Internet unter http://niedersachsen.nabu.de/ aktionen/sdw/ bis zum 16. Januar gemeldet werden, die Ergebnisse werden dort live ausgewertet. Zudem ist am 6. und 7. Januar jeweils von 10 bis 18 Uhr die kostenlose Rufnummer (0800) 1157115 geschaltet.

Im Mittelpunkt der Aktion stehen vertraute und oft weit verbreitete Vogelarten wie Meisen, Finken, Rotkehlchen und Spatzen. Eventuell können aber auch vermehrt Zugvögel wie Hausrotschwanz, Zilpzalp, Mönchsgrasmücke und Heckenbraunelle gemeldet werden. „Möglicherweise haben einige dieser Arten aufgrund des Wetters ihre Reise nicht angetreten und versuchen hier auszuharren“, sagt Philip Foth, Pressereferent des NABU Niedersachsen. Um die Zahlen mit den Ergebnissen der vergangenen Jahre abzugleichen, hofft der NABU auf eine rege Beteiligung bei Deutschlands größter wissenschaftlicher Mitmachaktion.

Das pure Interesse und die Freude an der Vogelwelt reichen zur Teilnahme aus, eine besondere Qualifikation ist für die Wintervogelzählung nicht nötig. Bei der letzten großen Vogelzählung im Januar 2017 beteiligten sich bundesweit mehr als 120.000 Menschen. Mehr als 2,9 Millionen Vögel aus über 84.000 Gärten wurden gemeldet. Der Haussperling ergatterte damals den Spitzenplatz als häufigster Wintervogel in Deutschlands Gärten, die Amsel Platz zwei. Auf den Plätzen drei bis fünf folgten Kohlmeise, Feldsperling und Blaumeise.

Nun erhoffen sich NABU und NAJU auch im Jahr 2018 wieder eine rege Beteiligung. „Denn je größer die Teilnehmerzahl ist, desto wertvoller und aussagekräftiger werden die Ergebnisse“, so Philip Foth. Neben der wissenschaftlichen Datenerhebung ist es für NABU und NAJU bei dieser Aktion ebenso wichtig, die engagierten Zähler auf die Natur vor der Haustür aufmerksam zu machen und zur naturnahen Gestaltung von Gärten als Lebensraum für Vögel zu motivieren.

 

Mauersegler lieben und leben in der Luft

Beim NABU-Neujahrsspaziergang informieren sich 50 Burgdorfer über den besonderen Vogel

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äheres zu den Gewohnheiten und dem Bestand der Vögel in Burgdorf erläuterte Ernst Schmidt (Mitte) anhand von zwei Mauersegler-Präparaten.
Foto: Geor Bosse

 

„BURGDORF (gb). „Der Mauersegler ist ein ganz besonderer Vogel“, machte Ernst Schmidt vom NABU Burgdorf, Lehrte, Uetze auf das Thema des diesjährigen Neujahrsspaziergangs neugierig, bevor sich die Gruppe in Richtung „Nordstraße“ in Bewegung setzte. Die zierlichen Vögel eilen mit schnellem Flügelschlag und zwischenzeitlichem Gleitflug durch den sommerlichen hellen Abendhimmel, um hoch oben schwirrende Insekten, wie Mücken, Schwebfliegen, Spinnen und geflügelte Blattläuse zu jagen. Sie sind extrem an ein Leben in der Luft angepasst. Außerhalb der Brutzeit halten sie sich für etwa zehn Monate nahezu ohne Unterbrechungen in der Luft auf. Auch die für die Fortpflanzung erforderliche Begattung erfolgt nach einer Flugbalz in der Luft („on the wing“).

Aber wie auch alle anderen Vögel sind diese vollendeten Flieger auf feste Brutplätze angewiesen. Beim Übergang vom Fels- zum Gebäudebrüter wurden Mauersegler zu Kulturfolgern, die heute in Deutschland und Europa vorzugsweise in Steinbauten, wie Wohnhäuser, Kirchtürme oder Fabrikgebäude, brüten. Dazu werden vielerlei (kleine) Hohlräume unter den Dächern genutzt.

Haben die Mauersegler lange Zeit von der Urbanisierung profitiert, so stellen heute die vorherrschenden Baustile ein Problem für sie dar. Isolierte Gebäude und moderne Fassaden bieten immer weniger geeignete Nischen und sie finden kein „Dach mehr über dem Köpfchen“.

„Mauersegler kehren immer wieder zu ihren alten Nistquartieren zurück. Weil die Segler zu den Arten zählen, deren Nistplätze unter naturschutzrechtlicher Obhut stehen, ist jeder Bauherr verpflichtet, die Einflugmöglichkeiten für eine bestehende Population zu erhalten.

Zuwiderhandlungen können strafrechtlich verfolgt werden“, erklärte Schmidt, der die Burgdorfer „Nordstraße“ als ein „Eldorado“ für Mauersegler bezeichnete.

Die flinken Vögel hinterlassen auf den Fassaden kaum Schmutz, da sie sich ohnehin nur gut drei Monate am Brutplatz aufhalten. Sie nutzen den Insektenreichtum der warmen Monaten. Sollten sie jedoch wegen einer Kaltfront nicht genügend Nahrung finden, begehen hauptsächlich nichtbrütende Mauersegler „Wetterflucht“.

Sie fliegen bis zu 2000 Kilometer in wärmere Gefilde, um sich mit Nahrung für sich und ihre Brut zu versorgen. Während ihrer Abwesenheit überdauern die Jungvögel in einer Art Hungerschlaf.

 

02. Januar 2018 - Hannoversche Allgemeine Zeitung

Dem Mauersegler auf der Spur

Ernst Schmidt vom Naturschutzbund zeigt Interessierten den Lebensraum der besonderen Vögel

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54 Naturfreunde begleiten Ernst Schmidt (mit blauem Schirm) auf der Neujahrswanderung.
Foto: Bismark

 

Von Antje Bismark

Burgdorf. Eine kleine Spalte unterm Dach, ein künstliches Nest unterm First oder in Thermoputz eingelassene Einflugschneisen: Mit diesen kleinen Hilfen können Hausbesitzer dafür sorgen, dass der Lebensraum der Mauersegler erhalten bleibt. Beim Neujahrsspaziergang zeigte Ernst Schmidt vom Naturschutzbund (Nabu) am Montagmittag insgesamt 54 Naturfreunden positive und negative Beispiele an Gebäuden, denn: „Wenn wir dem Mauersegler kein Domizil mehr bieten, wird die Population schnell sinken“, sagte Schmidt.

Die Gruppe mit Teilnehmern aus Burgdorf, Lehrte, Sehnde und Hänigsen startete ihre Tour traditionell auf dem Schützenplatz – und legte den ersten längeren Stopp in der Nordstraße ein. Sie gilt in den Augen Schmidts als Eldorado der Mauersegler, bieten doch etliche Gebäude die notwendigen Voraussetzungen, dass der besondere Vogel dort ein Quartier findet. „Mauersegler haben so kurze Beine, dass sie nicht auf der Erde laufen können“, berichtete der Naturschützer. Ob die Tiere fressen oder schlafen: Ihr gesamtes Leben, mit Ausnahme der Brut, verlaufe im Flug.

Deshalb müssten die Einflugschneisen sich etliche Meter in der Luft befinden, und sie dürften nicht verdeckt werden. Schmidt erzählte dem wissbegierigen Publikum von einer Baustelle in Lehrte, die er aus diesem Grund einmal stillgelegt habe. Dort hatten Gerüstbauer das Gebäude mit einem Netz gesichert und damit die Flugbahn der Mauersegler gestört. Erst nachdem das Hindernis abgebaut war, gingen die Bauarbeiten weiter – unter den wachsamen Augen der Naturschützer.

„Wer ein Domizil, wissentlich oder unwissentlich, zerstört, der macht sich strafbar“, betonte Schmidt und verwies darauf, dass für beschädigte Quartiere stets ein Ersatz geschaffen werden müsse. „Während der Brutzeit dürfen die Nester überhaupt nicht angefasst werden“, sagte er. Dies müssten Hausbesitzer ebenso wie Handwerker, beispielsweise Dachdecker, wissen.

Immer wieder schauten die Teilnehmer die Dächer an, fanden alte Gebäude mit Brutmöglichkeiten, neue mit einer hermetisch versiegelten Hülle. Dass diese sich dennoch als Lebensraum eignen, zeigte Schmidt an der Zirntener Straße, wo sich besondere Stellen für Mauersegler im Thermputz befinden. Und damit jeder in Zukunft einen der Vögel erkennt, präsentierte Schmidt auch noch zwei präparierte Exemplare.

 

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Präparierter Mauersegler.
Foto: Bismark

 

 

 

 

Der Pressespiegel erscheint mit freundlicher Genehmigung der jeweiligen Zeitungen